Pflanzliche Mittel in den Wechseljahren: Was helfen kann, und was man wissen sollte

7 Min. Lesezeit

Hitzewallungen, Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen: Wenn die klassische Hormonersatztherapie nicht infrage kommt oder du erstmal etwas Sanfteres ausprobieren möchtest, stößt du früher oder später auf pflanzliche Mittel. Traubensilberkerze, Rotklee, Soja, die Auswahl ist groß, die Versprechen manchmal auch. Aber was ist an diesen natürlichen Alternativen wirklich dran, und wo ist Vorsicht angebracht? In diesem Artikel schauen wir uns an, wie pflanzliche Mittel im Körper wirken, welche in den Wechseljahren am häufigsten eingesetzt werden, was die Studienlage dazu sagt und für wen sie geeignet sind, und für wen eher nicht.

Warum viele Frauen in den Wechseljahren nach pflanzlichen Mitteln suchen

Der Wunsch nach pflanzlichen Alternativen hat mehrere Gründe. Manche möchten die Wechseljahre möglichst ohne Medikamente durchleben oder haben Vorbehalte gegenüber einer Hormonersatztherapie, oft noch geprägt von älteren, mittlerweile überholten Studien zu deren Risiken. Andere haben gesundheitliche Gründe, etwa eine Vorgeschichte mit hormonabhängigen Erkrankungen, die eine klassische Hormontherapie ausschließen. Wieder andere haben eher leichte Beschwerden und möchten erstmal etwas Sanftes ausprobieren, bevor sie über stärkere medizinische Optionen nachdenken. Pflanzliche Mittel wirken auf viele niedrigschwelliger und natürlicher, das macht sie attraktiv, auch wenn natürlich nicht automatisch harmlos oder wirksam bedeutet.

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Welche pflanzlichen Mittel werden in den Wechseljahren häufig eingesetzt?

Fünf Pflanzen tauchen besonders häufig auf.

Traubensilberkerze

Die Traubensilberkerze, botanisch Cimicifuga racemosa, gilt als die für die Wechseljahre am besten untersuchte Heilpflanze. Sie wird sogar in aktuellen medizinischen Leitlinien für die Peri- und Postmenopause bei Hitzewallungen und Nachtschweiß genannt, mit dem Status „well established use“ für einen bestimmten Extrakt. Man geht mittlerweile davon aus, dass sie eine zentrale, hormonunabhängige Wirkung im Gehirn hat, die den Dopamin- und Serotoninstoffwechsel beeinflusst, statt direkt hormonell zu wirken. Die Studienlage ist zwar nicht schlecht, aber noch nicht ganz eindeutig, weitere gut durchgeführte, placebokontrollierte Studien werden gefordert. Empfohlen wird meist eine Einnahme von bis zu 40 Milligramm täglich über bis zu sechs Monate ohne ärztlichen Rat. Nebenwirkungen sind selten, mögliche Leberschäden bei Langzeiteinnahme sind bislang nicht abschließend geklärt.

Salbei

Salbei wird traditionell gegen Hitzewallungen und starkes Schwitzen eingesetzt, ihm wird eine schweißhemmende Wirkung zugesprochen. Vermutet wird ein Einfluss auf das Temperaturzentrum im Gehirn und ein Zusammenziehen der Schweißdrüsen, der genaue Wirkmechanismus ist aber noch nicht erforscht. Du kannst Salbei als Tee, Fußbad oder als pflanzliches Arzneimittel aus der Apotheke anwenden. Nebenwirkungen sind selten, in seltenen Fällen sind allergische Reaktionen möglich, bei Epilepsie ist Vorsicht geboten.

Rotklee

Rotklee enthält Isoflavone mit einem leicht östrogenen Effekt und wird vor allem bei Hitzewallungen sowie bei Beschwerden im Intimbereich eingesetzt. In einer Untersuchung besserten sich unter Rotklee vaginale Trockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und eine verminderte Libido deutlicher, als es etwa für Mönchspfeffer in diesem Bereich beschrieben ist. Die langfristigen Effekte von Rotklee sind insgesamt aber noch nicht ausreichend erforscht. Er wird in der Regel gut vertragen, kann aber Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Wichtig: Menschen, die eine Behandlung gegen Brustkrebs oder andere hormonabhängige Tumore erhalten oder erhalten haben, sollten Rotklee nicht einnehmen.

Johanniskraut

Johanniskraut ist gut erforscht und wirksam bei leichten bis mittelschweren Depressionen, weshalb es in den Wechseljahren vor allem bei depressiven Verstimmungen eingesetzt wird. In kleineren Studien wurden auch Linderungen von Hitzewallungen beobachtet, allerdings mit begrenzter Aussagekraft. Wichtig ist die Wechselwirkung mit anderen Medikamenten, besonders mit anderen Antidepressiva und mit hormoneller Verhütung, die noch relevant sein kann, solange die Wechseljahre nicht vollständig abgeschlossen sind. Außerdem führt Johanniskraut zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber UV-Licht. Sprich eine Einnahme deshalb immer ärztlich ab, besonders wenn du bereits andere Medikamente nimmst.

Soja & Isoflavone

Sojabohnen enthalten gleich zwölf verschiedene Isoflavone und gelten als besonders gut untersuchte Phytoöstrogen-Quelle. Es gibt Hinweise, dass Soja-Isoflavone Hitzewallungen lindern können, außerdem werden mögliche positive Effekte auf Knochengesundheit, Blutdruck und Blutzucker diskutiert, wobei die Studienlage hier insgesamt noch recht dünn ist. Isoflavone gelten grundsätzlich als sicher, auch bei längerer Anwendung. Ein Vorteil von Soja gegenüber reinen Nahrungsergänzungsmitteln: Sojaprodukte wie Tofu liefern gleichzeitig Proteine und weitere Nährstoffe, die für die Ernährung in den Wechseljahren ohnehin wichtig sind. Du musst also nicht zwingend zu Kapseln greifen, sondern kannst Soja einfach öfter auf den Teller bringen, wenn du magst.

Wie pflanzliche Mittel im Körper wirken können

Nicht alle der gerade genannten Pflanzen wirken über denselben Mechanismus.

Phytoöstrogene, was steckt dahinter?

Viele der bekannten Pflanzen, etwa Rotklee oder Soja, enthalten sogenannte Phytoöstrogene, eine Gruppe pflanzlicher Stoffe mit vier Hauptvertretern: Isoflavone, etwa aus Soja, Lignane aus Leinsamen und Getreide, Coumestane aus Spinat oder Brokkoli, und Stilbene, zum Beispiel aus Trauben. Allen gemeinsam ist eine chemische Struktur, die unserem körpereigenen Östrogen ähnelt. Wie ein Schlüssel, der nicht perfekt, aber gerade genug passt, können sie an Östrogenrezeptoren im Körper andocken und die Wirkung von Östrogen entweder leicht nachahmen oder auch blockieren. Da die körpereigene Östrogenproduktion in den Wechseljahren abnimmt, könnten Phytoöstrogene durch diese milde östrogenähnliche Wirkung Beschwerden wie Hitzewallungen und Nachtschweiß etwas lindern. Ehrlich gesagt ist dieser Mechanismus aber insgesamt noch schlecht erforscht: Wie genau die einzelnen Phytoöstrogene im Körper wirken, ob es zwischen ihnen relevante Unterschiede gibt und wie stark der Effekt im Vergleich zu echtem Östrogen tatsächlich ausfällt, lässt sich bislang nicht abschließend beantworten. Traubensilberkerze und Salbei, die beiden anderen wichtigen Pflanzen aus der Übersicht oben, wirken dagegen offenbar über andere, nicht-hormonelle Mechanismen im Nervensystem.

Pflanzliche Mittel vs. Hormone: wichtige Unterschiede

Auch wenn manche pflanzlichen Mittel hormonähnlich wirken, sind sie keine gleichwertige Alternative zu einer klassischen Hormonersatztherapie. Ihre Wirkung auf die Östrogenrezeptoren ist deutlich schwächer als die von körpereigenem oder zugeführtem Östrogen, und pflanzliche Präparate sind insgesamt weniger stark und weniger zuverlässig untersucht. Dafür gelten sie meist als gut verträglich, mit vergleichsweise wenigen Nebenwirkungen. Ein wichtiger Unterschied liegt auch in der Zulassung: Manche Pflanzen sind als offizielle Arzneimittel mit belegter Wirkung anerkannt, andere fallen unter das laxere Lebensmittelrecht als Nahrungsergänzungsmittel, bei denen Dosierung und Qualität weniger streng reguliert sind. Es lohnt sich, genau hinzuschauen, was du kaufst.

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Was sagt die Studienlage zu pflanzlichen Mitteln?

Insgesamt gilt: Für die meisten Wechseljahres-Pflanzen liegen interessante, aber keine umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen zur Langzeitanwendung vor. Am besten untersucht sind Traubensilberkerze und Soja-Isoflavone, für Phytoöstrogene insgesamt zeigt sich in Übersichtsarbeiten eine geringere Häufigkeit von Hitzewallungen ohne aktuell erkennbare Nebenwirkungen. Auch für Ängste und depressive Symptome deuten erste Übersichtsarbeiten auf mögliche Verbesserungen durch pflanzliche Östrogene hin, allerdings ist die Studienlage hier noch nicht sehr umfangreich. Für eine Reduktion des Körpergewichts durch Phytoöstrogene gibt es dagegen keine Empfehlung, eine Übersichtsarbeit fand hier keinen bedeutsamen Effekt. Die Ergebnisse unterscheiden sich außerdem von Pflanze zu Pflanze zum Teil deutlich, wie das Beispiel Rotklee gegenüber Mönchspfeffer bei sexuellen Beschwerden zeigt. Pauschale Aussagen wie „pflanzliche Mittel helfen“ oder „pflanzliche Mittel wirken nicht“ werden der Realität deshalb nicht gerecht.

Für wen pflanzliche Mittel geeignet sein können, und für wen nicht

Pflanzliche Mittel können eine Option sein, wenn:

  • deine Beschwerden eher leicht bis mittelschwer ausgeprägt sind,
  • du eine klassische Hormonersatztherapie nicht möchtest oder aus gesundheitlichen Gründen nicht nehmen kannst,
  • du bereit bist, mehrere Wochen bis Monate auf eine mögliche Wirkung zu warten und auch mal ein Präparat zu wechseln.

Zurückhaltung oder ärztliche Rücksprache ist besonders wichtig, wenn:

  • du eine Behandlung gegen Brustkrebs oder andere hormonabhängige Tumore erhältst oder erhalten hast, da einige Phytoöstrogene hier problematisch sein können,
  • du bereits andere Medikamente einnimmst, wegen möglicher Wechselwirkungen,
  • deine Beschwerden sehr stark ausgeprägt sind, hier sind pflanzliche Mittel oft nicht ausreichend wirksam.

Mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Pflanzliche Mittel gelten allgemein als sicher, sind aber nicht automatisch nebenwirkungsfrei:

  • Magen-Darm-Beschwerden sind bei mehreren Pflanzen möglich, etwa bei Traubensilberkerze und Rotklee
  • Allergische Reaktionen können in seltenen Fällen auftreten
  • Manche Pflanzenextrakte, etwa aus Traubensilberkerze, könnten laut aktuellem Stand langfristig die Leber belasten, das ist noch nicht abschließend geklärt
  • Johanniskraut kann die Wirkung anderer Medikamente wie der Pille oder anderer Antidepressiva verändern
  • Isoflavonhaltige Präparate sollten bei hormonabhängigen Krebserkrankungen gemieden werden

Effekte machen sich meist erst nach zwei bis vier Wochen bemerkbar. Bleibt eine Verbesserung nach ein bis zwei Monaten aus, ist es sinnvoller, das Mittel abzusetzen, statt einfach weiterzumachen. Lies vor der Einnahme immer den Beipackzettel und halte Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Apotheke, besonders bei bestehenden Erkrankungen oder anderen Medikamenten.

Häufige Fragen zu pflanzlichen Mitteln

Helfen pflanzliche Mittel wirklich gegen Hitzewallungen?

Für manche Pflanzen wie Traubensilberkerze und Soja-Isoflavone gibt es Hinweise auf eine Wirkung, die Effekte sind aber meist schwächer als bei einer Hormonersatztherapie, und die Studienlage ist nicht für jede Pflanze gleich gut.

Sind pflanzliche Mittel automatisch harmlos?

Nein. Pflanzlich bedeutet nicht automatisch nebenwirkungsfrei, auch pflanzliche Mittel können Neben- und Wechselwirkungen haben und sollten ärztlich oder in der Apotheke abgestimmt werden.

Wie lange dauert es, bis pflanzliche Mittel wirken?

Meist zeigen sich Effekte erst nach zwei bis vier Wochen. Bleibt nach ein bis zwei Monaten keine Besserung erkennbar, ist ein Absetzen oder ein anderer Ansatz meist sinnvoller.

Fazit: Pflanzliche Mittel bewusst und informiert einsetzen

Pflanzliche Mittel können in den Wechseljahren eine sanfte, meist gut verträgliche Option sein, besonders bei leichteren Beschwerden oder wenn eine Hormonersatztherapie nicht infrage kommt. Sie sind aber kein Ersatz für eine klassische Hormontherapie und wirken je nach Pflanze und Beschwerdebild unterschiedlich gut belegt. Traubensilberkerze und Soja-Isoflavone gehören zu den am besten untersuchten Optionen, andere Pflanzen wie Rotklee oder Johanniskraut haben eher spezifische Einsatzgebiete. Pflanzlich heißt nicht automatisch harmlos, informier dich vor der Einnahme über mögliche Neben- und Wechselwirkungen und sprich mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke darüber, was zu deiner Situation passt.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Er dient deiner Information und Orientierung. Wenn dich deine Beschwerden stark belasten oder du unsicher bist, wende dich an deine Ärztin, deinen Arzt oder eine Apotheke.

  1. „Heilpflanzen in den Wechseljahren“ — Vera-App
  2. „Phytoöstrogene“ — Vera-App
  3. „Isoflavone“ — Vera-App
  4. „Salbei“ — Vera-App
  5. „Phytoöstrogene & Resveratrol“ — Vera-App
  6. „Phytotherapie“ — Vera-App
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