Hormone in den Wechseljahren: Was sich im Körper verändert

5 Min. Lesezeit

Hitzewallungen, Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen: Hinter fast allen Wechseljahresbeschwerden stecken dieselben Auslöser, nämlich Veränderungen im Hormonhaushalt. Doch was genau passiert dabei eigentlich mit deinen Hormonen, und warum verschwinden sie nicht einfach von einem Tag auf den anderen? Wenn du verstehst, welche Hormone eine Rolle spielen und wie sie sich verändern, fällt es oft leichter, die eigenen Beschwerden einzuordnen. In diesem Artikel schauen wir uns die wichtigsten Hormone der Wechseljahre an, wie ihre Schwankungen Symptome beeinflussen und wann ein Hormontest tatsächlich sinnvoll ist.

Welche Hormone in den Wechseljahren eine Rolle spielen

Drei Hormone stehen dabei besonders im Fokus.

Östrogen

Östrogen ist das Hormon, das in den Wechseljahren am meisten Aufmerksamkeit bekommt, und das aus gutem Grund. Es wirkt nicht nur auf den Zyklus, sondern auf zahlreiche Körpersysteme:

  • Knochen: Östrogen hemmt den Knochenabbau und unterstützt den Knochenaufbau. Sinkt der Spiegel, steigt das Osteoporose-Risiko.
  • Herz-Kreislauf-System: Östrogen unterstützt die Elastizität der Gefäße, ein sinkender Spiegel kann das Risiko für Arteriosklerose und koronare Herzkrankheit langfristig erhöhen.
  • Gehirn: Östrogen beeinflusst Botenstoffe wie Serotonin, die Stimmung und Schlaf betreffen. Außerdem wirkt es auf den Hypothalamus, der die Körpertemperatur reguliert – was Hitzewallungen erklärt.
  • Schleimhäute und Haut: Ein sinkender Östrogenspiegel kann zu trockenen Schleimhäuten und Veränderungen der Haut führen.

Progesteron

Progesteron wird nach dem Eisprung im sogenannten Gelbkörper gebildet. Finden in der Perimenopause immer häufiger Zyklen ohne Eisprung statt, sogenannte anovulatorische Zyklen, wird entsprechend weniger Progesteron produziert. Das erklärt, warum Progesteron oft schon früher und stärker absinkt als Östrogen. Progesteron wirkt beruhigend und angstlösend und ist unter anderem an der Regulation von Schlaf beteiligt. Ein Mangel an Progesteron bei gleichzeitig noch hohem Östrogen kann unregelmäßige, verlängerte oder verstärkte Blutungen sowie Wassereinlagerungen, Brustempfindlichkeit und Stimmungsschwankungen begünstigen. Mehr dazu findest du im Beitrag Progesteron in den Wechseljahren.

Testosteron

Testosteron wird bei diesem Thema oft vergessen, spielt aber ebenfalls eine Rolle. Auch dieses Hormon sinkt im Verlauf der Wechseljahre ab. Ein niedrigerer Testosteronspiegel wird unter anderem mit einer nachlassenden sexuellen Lust in Verbindung gebracht, auch wenn die Libido von vielen weiteren Faktoren beeinflusst wird, etwa von körperlichen Beschwerden oder der individuellen Lebenssituation. Anders als bei Östrogen und Progesteron ist die Studienlage zur Rolle von Testosteron in den Wechseljahren insgesamt noch weniger umfassend.

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Wie hormonelle Schwankungen Symptome beeinflussen

Viele Wechseljahresbeschwerden lassen sich direkt auf diese hormonellen Veränderungen zurückführen. Reagieren die Eierstöcke weniger zuverlässig auf die Steuerhormone aus dem Gehirn, schüttet das Gehirn zum Ausgleich mehr FSH und LH aus – ein typisches hormonelles Kennzeichen dieser Lebensphase.

Diese Schwankungen, und nicht allein der spätere niedrige Hormonspiegel, erklären viele Beschwerden: Hitzewallungen, Schlafstörungen, Zyklusunregelmäßigkeiten oder Stimmungsschwankungen können schon Jahre vor dem Ausbleiben der Periode auftreten. Besonders deutlich zeigt sich das bei der Stimmung: Sexualhormone beeinflussen Botenstoffe im Gehirn, die Reizbarkeit, Ängste oder depressive Verstimmungen begünstigen können. Nach der Menopause, wenn sich der Hormonspiegel stabilisiert, lassen die Schwankungen und damit oft auch die Beschwerden wieder etwas nach.

Warum Hormone nicht „plötzlich verschwinden“

Die Wechseljahre sind kein Schalter, der von einem Tag auf den anderen umgelegt wird, sondern ein Prozess, der sich über Jahre erstreckt. Der Grund liegt in der Biologie: Alle Eizellen, die dir jemals zur Verfügung stehen, waren bereits bei deiner Geburt angelegt. Mit zunehmendem Alter nimmt diese Reserve kontinuierlich ab.

Schon Anfang bis Mitte 40, in der sogenannten Prämenopause, arbeiten die Eierstöcke etwas langsamer, ohne dass sich das zwingend spürbar bemerkbar macht – manche berichten in dieser frühen Phase aber schon von verstärkten PMS-artigen Beschwerden. Solange noch Eizellen vorhanden sind, produzieren die Eierstöcke weiterhin Hormone, nur eben unregelmäßiger und in schwankender Menge. Erst wenn die Eierstöcke ihre Hormonproduktion weitgehend einstellen, was rückblickend an der Menopause, also der letzten Periode, festgemacht wird, stabilisiert sich der Hormonspiegel auf einem dauerhaft niedrigeren Niveau.

Dieser ganze Übergang, das sogenannte Klimakterium, kann von den ersten spürbaren Veränderungen bis zur Postmenopause insgesamt etwa ein Jahrzehnt oder länger dauern. Wie sich die einzelnen Abschnitte unterscheiden, erklären wir in den Beiträgen Die Phasen der Wechseljahre und Beginn der Wechseljahre. Die Wechseljahre sind damit weniger ein Ereignis als eine Übergangszeit – ähnlich der Pubertät, nur in umgekehrter Richtung.

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Wann Hormontests sinnvoll sein können

Gerade wenn erste Beschwerden auftreten, ist der Wunsch nach einem klaren Test verständlich. Hormon-Selbsttests für zu Hause, ob über Urin, Blut oder Speichel, können erste Hinweise liefern und ein grobes Gefühl für den eigenen Hormonstatus geben. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie rät allerdings davon ab, sich allein auf solche Selbsttests zu verlassen.

Der Grund: Hormonspiegel schwanken stark, auch im Tagesverlauf und unter Stress, die Qualität der Tests ist unterschiedlich, und bei der Probenentnahme können Fehler passieren. Ein einzelner Messwert sagt außerdem wenig aus, wenn er nicht im Zusammenhang mit deinen Symptomen und weiteren Laborwerten betrachtet wird. Sinnvoller ist eine ärztliche Hormondiagnostik, bei der Werte im Kontext deiner Beschwerden interpretiert werden. Ein Selbsttest kann Anhaltspunkte liefern, ersetzt aber keine professionelle Diagnose.

Häufige Fragen zu Hormonen in den Wechseljahren

Welche Hormone sinken zuerst?

In der Regel sinkt Progesteron zuerst, da mit zunehmendem Alter immer häufiger Zyklen ohne Eisprung stattfinden. Östrogen kann in dieser frühen Phase, der Perimenopause, zunächst sogar noch relativ hoch bleiben, bevor es im weiteren Verlauf ebenfalls absinkt. Testosteron nimmt kontinuierlich und eher schrittweise ab.

Fazit: Hormone verstehen hilft, Symptome einzuordnen

Die Wechseljahre bringen ein komplexes Zusammenspiel aus sinkenden und stark schwankenden Hormonen mit sich, allen voran Östrogen, Progesteron und in geringerem Maße Testosteron. Diese Veränderungen erklären viele typische Beschwerden, von Hitzewallungen über Schlafprobleme bis zu Stimmungsschwankungen.

Die Wechseljahre sind dabei kein plötzliches Ereignis, sondern ein Prozess, der sich über Jahre erstreckt, weil die Eierstöcke ihre Hormonproduktion nur schrittweise einstellen. Ein Verständnis dieser Zusammenhänge kann helfen, die eigenen Beschwerden besser einzuordnen. Für eine verlässliche Einschätzung deines individuellen Hormonstatus ist eine ärztliche Diagnostik einem Selbsttest vorzuziehen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Er dient deiner Information und Orientierung. Wenn dich deine Beschwerden stark belasten oder du unsicher bist, wende dich an deine Ärztin, deinen Arzt oder eine Apotheke.

  1. „Hormone in den Wechseljahren und danach“ — Vera-App
  2. „Phasen der Wechseljahre“ — Vera-App
  3. „Hormon-Selbsttests für zu Hause“ — Vera-App
  4. „Wechseljahre sind keine Erkrankung“ — Vera-App
  5. „Libido und Wechseljahre“ — Vera-App
  6. „Unregelmäßige und starke Blutungen“ — Vera-App
  7. „Stimmungsschwankungen“ — Vera-App
  8. „Stimmung“ — Vera-App
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